Lust auf Transition – Erlebniswissenschaft als Basis

Transition wurzelt im Aufgeben alter, lieb gewonnener Vorstellungs,- Denk- und Handlungsmuster.  Es bedeutet zuallererst Umlernen. Das Neue hat nur dann eine Chance, wenn man das Alte loslässt. Eine helfende Hand, die diesen Prozess unterstützend erleichtert, ist dabei sicherlich von Vorteil.

Die Arbeitsgrundlage für diese helfende Hand liefert die Erlebniswissenschaft, eine junge Disziplin an der Schnittstelle erlebnisdramaturgischer Praxis und etablierter Fächer wie z.B. der Neurobiologie, der Kognitionswissenschaft und der Psychologie.

Begründet von einem der Projektinitiatoren, ist ihr unter anderem die Aufklärung der Kräfte im Erleben zu verdanken, die dafür verantwortlich sind, wenn Menschen aus eigenen Stücken spielerisch Neues entdecken und sich selbstbestimmt verändern.

Im menschlichen Erleben treten 5 elementare Prozesse zutage, die sich gegenseitig beeinflussen. Das Kräftespiel zwischen den einzelnen Prozessen wird dabei vom emotionalen Erleben koordiniert.

System-Modell des Erlebens: Im menschlichen Erleben treten 5 elementare Prozesse zutage, die sich gegenseitig beeinflussen. Das Kräftespiel zwischen den einzelnen Prozessen wird dabei vom emotionalen Erleben koordiniert.

Erlebniswissenschaft erläutert im Besonderen:

  • Wie das menschliche Erleben funktioniert.
  • Wie transformatives Erleben Wandel bewirkt.
  • Welche fundamentale Rolle dabei das emotionale Erleben spielt und wie man dieses für die Sache nutzen muß und kann.
  • Wie man die Kräfte im Erleben handhabt, damit die Menschen, von ihrer Neugier befeuert, selbstbewusst und konsequent eine Tür in ihre Zukunft öffnen.

Implizites Wissen / explizites Wissen

Die Unterscheidung geht auf den ungarischen Chemiker und Philosophen Michael Polanyi zurück. Dessen Einsicht: Es existieren zwei Formen des Wissens. Explizites Wissen, das sich rational erklären lässt. Und implizites Wissen, das ohne rationale Erklärung auskommt. Ein Beispiel für explizites Wissen: Das Anfertigen einer geometrischen Zeichnung. Es folgt einer logischen Sequenz einzelner konstruktiver Schritte. Diese lassen sich erklären. Das Halten des dabei verwendeten Bleistifts indes gehört zum impliziten Wissen. Wird der Zeichner gefragt, wie ihm das Halten gelingt, kann er es nicht erklären. Es gelingt eben.

Mit Hilfe der Erlebniswissenschaft lässt sich diese Unterscheidung nun verdeutlichen. Jede der von ihr identifizierten Erlebnisformen generiert verhaltenswirksames Wissen: Denken rationales Wissen, Imaginieren Vorstellungs-Wissen, sensomotorisches Erleben Körperwissen, Kommunizieren soziales Wissen, Fühlen emotionales Wissen.
Allein das Denken lässt sich mit dem expliziten Wissen identifizieren. Es erklärt, was es tut. Alle anderen Formen des Erlebens bringen implizites Wissen hervor. Es gelingt, aber erklärt sich nicht.

Bild macht deutlich, dass der Großteil der Erlebnisformen implizites Wissen hervorbringt; nur das Denken explizites Wissen

Dieses Bild macht das Dilemma unmittelbar klar, vor dem wir im Kontext kulturellen Wandels stehen. Unsere Bemühungen konzentrieren sich fast ausschließlich auf das vom – wissenschaftlichen! – Denken hergestellte explizite, technische Wissen. Alle anderen Wissensformen des Erlebens bleiben davon unberührt. Die Folge: kultureller Wandel kommt nicht vom Fleck. Dem Gewohnten zugewandt, leistet das implizite Wissen vierfachen Widerstand gegen jede Neuerung, die das rationale Wissen vorschlägt.

Mit anderen Worten, das implizite Wissen ist das Missing Link des Wandels. Wenn wir das erkennen und unser Handeln konsequent danach ausrichten, dann wird kultureller Wandel gelingen. Die Methoden dafür liefert die Erlebniswissenschaft.

Polanyi, Michael (1985). Implizites Wissen. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Literaturquellen:

Buchcover: Titel: Erlebniswissenschaft. Über die Kunst, Menschen zu begeistern. Autor: Gerhard Frank

Frank, Gerhard (2011). Erlebniswissenschaft. Über die Kunst Menschen zu begeistern. LIT: Berlin, London, Münster, Wien.

Buchcover: The Experience Science. A New Discipline on the Rise. Autor: Gerhard Frank

Frank, Gerhard (2012). The Experience Science. A New Discipline on the Rise. LIT: Berlin, London, Münster, Wien.

Buchcover. Titel: Zukunft schaffen. Vom guten Erleben als Werkzeug des Wandels. Autor: Gerhard Frank

Frank, Gerhard (2018). Zukunft schaffen. Vom guten Erleben als Werkzeug des Wandels. oekom Verlag: München. Ab 5. April im Buchhandel erhältlich!

Vorreiter*innen

Die Entwicklung der Erfahrungsstationen greift Traditionen ganzheitlichen Lernerlebens auf und führt diese weiter. Zu diesen Vorreiter*innen zählen etwa:

  • Hugo Kükelhaus mit seinem “Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne“
  • Maria Montessori, die das Selbst-Tun in den Vordergrund ihrer Methodik stellte
  • Martin Wagenschein mit seiner erfahrungsorientierten Didaktik
  • Frank Oppenheimer mit seinem Exploratorium in San Francisco, das erfolgreich eine Brücke zwischen Technik, Naturwissenschaft und Kunst schlägt.
Literaturquellen:

Cole, K.C. (2009). Something Incredibly Wonderful Happens: Frank Oppenheimer and the world he made up. hmh books: Orlando, Florida.

Kükelhaus, Hugo (1968). Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne. Fischer alternativ: Frankfurt am Main.

Montessori, Maria (2007). Das kreative Kind: Der absorbierende Geist. Herder Verlag: München.

Wagenschein, Martin (2013).  Verstehen lehren. Beltz  Verlag: Weinheim und Basel.

Gerne übermitteln wir Interessenten weiterführende Informationen zum fachlichen Hintergrund des Pupariums.